{"id":168,"date":"1999-07-29T21:39:08","date_gmt":"1999-07-29T21:39:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.karer.at\/?p=168"},"modified":"2019-01-12T21:43:48","modified_gmt":"2019-01-12T21:43:48","slug":"gleichstromdurchwahl","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.karer.at\/?p=168","title":{"rendered":"Gleichstromdurchwahl"},"content":{"rendered":"<p>N\u00e4mlich: In \u00d6sterreich gab es das Leistungsmerkmal der Durchwahl \u00fcber den einfachen leitungsw\u00e4hler dem Prinzip nach bereits 1927(!) im alten Wiener Telefonsystem nach G.H. Dietl<!--more--><\/p>\n<p>Eine Siemens-Werbeschrift aus 1939 (F.W.Gust: &#8222;Fernsprechen und \u00a0Fernsprecher&#8220; &#8211; hoffentlich hab&#8216; ich es richtig aus dem Ged\u00e4chtnis zitiert) spricht bereits von durchwahlf\u00e4higen Anlagen und dem Leistungsmerkmal der Durchwahl im damaligen bayrischen Reichspostgebiet &#8211; allerdings nicht so detailliert, als da\u00df man erkennen k\u00f6nnte, ob dieses Leistungsmerkmal als Abgang hinter Gruppenw\u00e4hlerwahlstufen oder hinter Leitungsw\u00e4hler angeboten wurde.<\/p>\n<p>In den deutschen Nachkriegssystemen war letztendlich auch eine Durchwahl in Gro\u00dfanlagen vorgesehen, allerdings hinter Gruppenw\u00e4hlern und mit der Auflage, da\u00df die entsprechende Amts\u00fcbertragung ALLE(!) Kennzeichen eines gew\u00f6hnlichen Leitungsw\u00e4hlers nachstellen k\u00f6nnen m\u00fcsse. Und, um dies dann auch realisieren zu k\u00f6nnen, waren sowohl amtsseitig, als auch bei der angeschlossenen Nebenstellenanlage komplizierte \u00dcbertrager erforderlich. Daf\u00fcr k\u00f6nnte man in Deutschland diese Leitungen sowohl kommend, als auch gehend betreiben, w\u00e4hrend die Durchwahl hinter dem Gruppenw\u00e4hler in \u00d6sterreich immer nur gerichtet, also zur Anlage hin, betrieben werden konnte; f\u00fcr abgehende Rufer verwendete man hier dann eigens geschaltete, gew\u00f6hnliche Einzelanschl\u00fcsse, die in den normalen Teilnehmerhundertern eingestreut waren, um eine \u00a0\u00dcberlastung des Systemes zu vermeiden (Anlagenanschl\u00fcsse sind sogenannte &#8222;Vielsprecher&#8220;-Teilnehmer).<\/p>\n<p>Nun mu\u00df man aber auf eine Besonderheit des deutschen Systemes hinweisen, das im vergleichbaren \u00f6sterreichischen W\u00e4hlsystem fehlt, n\u00e4mlich, da\u00df im deutschen System auch in den Analogvermittlungen bei fernm\u00e4\u00dfiger Einstellung des Leitungsw\u00e4hlers ein Wahlendekennzeichen gesendet wird. Dieses Wahlendekennzeichen hat &#8211; und das wissen nur die wenigsten &#8211; sogar zwei Aufgaben:<\/p>\n<p>1) Kennzeichnung, da\u00df die Verbindung bis zum gerufenen Teilnehmer hergestellt wurde (jetzt noch ohne Mitteilung, ob der Teilnehmer frei, besetzt oder gar nicht existent ist), damit k\u00f6nnen sich die f\u00fcr den Fernverkehr erforderlichen Register aus dem Verbindungsaufbau herausschalten und<\/p>\n<p>2) (das wissen die wenigsten!!!): Das Wahlendekennzeichen unterbindet &#8211; mit Ausnahme des Ausl\u00f6sekriteriums jegliches Vorw\u00e4rtszeichen, allerdings nur f\u00fcr den Normalteilnehmer!!! Das Fernamt, das \u00fcber keine Einrichtungen f\u00fcr das Erkennen des Wahlendekennzeichens \u00a0mit dieser Aufgabe verf\u00fcgt, kann also, trotz empfangenen, aber nicht beachteten Wahlende-Kennzeichens weiterhin feuchtfr\u00f6hlich Vorw\u00e4rtskennzeichen senden und damit ein Aufschalten auf eine allf\u00e4llig besetzte Verbindung hervorrufen (zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt wurde &#8211; das sei hier erg\u00e4nzend angegeben &#8211; die sogenannte Ausnahmefernamtsansage mit 12 Vorw\u00e4rtsimpulsen gesendet).<\/p>\n<p>Der Grund, warum ich das hier so detailliert beschreibe, ist der, da\u00df in einem System mit mehrziffriger Durchwahl hinter einem gew\u00f6hnlichen \u00a0leitungsw\u00e4hler und ohne Wahlendekennzeichen seitens der angeschlossenen Nebenstellenanlage es definitiv kein zeitgenaues Wahlendekennzeichen geben kann und einige damit verbundene Probleme (z.B. Aufschalten\/Nachrufen) anders gel\u00f6st werden m\u00fcssen, aber auch damit sich die \u00f6sterreichische Verwaltung die M\u00f6glichkeit offen gehalten hat, in normalen Teilnehmerhundertern Anschl\u00fcsse mit Durchwahlfunktion einzustreuen.<\/p>\n<p>Ein durchgehender POTS-Anschlu\u00df erfordert beim Teilnehmer vor Ort keine besonderen zus\u00e4tzlichen Einrichtungen, ein gew\u00f6hnlicher Apparat reicht und dieser kann auch komplett ohne lokale Stromversorgung betrieben werden, was in speziellen Situationen (z.B. Stromausfall) recht hilfreich ist (die Argumentation, da\u00df es Mobiltelefone gibt, lasse ich nicht wirklich gelten, erstens, weil in Ausnahmesituationen die Mobilnetze bzw. die zust\u00e4ndige Funkzelle \u00fcberlastet sein kann und zweitens, mit gewissen &#8222;Ich-Bezug&#8220; auf meine eigene Situation auch nicht unbedingt eine fl\u00e4chendeckende Grundversorgung durch die Mobilnetze gegeben sein mu\u00df). Daher einmal &#8222;pro POTS&#8220;, vorausgesetzt, es ist ein durchgehender \u00a0Anschlu\u00df in Zweidrahttechnik zwischen Vermittlungsstelle und Teilnehmer.<\/p>\n<p>ISDN: Nun, \u00fcber ISDN, also einer weitgehend genormten &#8222;intelligenteren&#8220; Teilnehmerschnittstelle lassen sich viele zus\u00e4tzliche Dienste realisieren, abgesehen davon ist \u00a0ein ISDN-Anschlu\u00df normalerweise mindestens zwei POTS-Anschl\u00fcssen, beim Prim\u00e4r-Anschlu\u00df sogar 30 POTS-Anschl\u00fcssen gleichzusetzen.<\/p>\n<p>Leider fallen bei der NGN-Migration allerdings &#8211; zumindest hierzulande &#8211; einige, nicht ganz uninteressante ISDN-Dienste weg, n\u00e4mlich u.a.:<\/p>\n<p>1) Die Permanent Virtuelle Verbindung (&#8222;PVC&#8220; &#8211; nein, nicht der Kunststoff, sondern die &#8222;permanent virtual connection&#8220;), also quasi eine geschaltete Festverbindung zwischen zwei Punkten und<\/p>\n<p>2) Die Nutzung des D-Kanales. Letzeres wurde f\u00fcr den fr\u00fcheren Datex-P-Dienst verwendet, ist im Prinzip heute mit den verwendeten \u00a0IP-Protokollen \u00fcberholt, wird (wurde) aber gerne unter dem in \u00d6sterreich verwendeten Begriff &#8222;Data-Cash&#8220; f\u00fcr Kreditkartenterminals und Bankomatkassen verwendet.<\/p>\n<p>Nun \u00a0aber kurz zur\u00fcck zur Thematik Durchwahl: Wie gesagt, beim NGN ist die POTS-Durchwahl, so wie sie in \u00d6sterreich bislang praktiziert wurde, aus entwicklungstechnischen Gr\u00fcnden nicht mehr m\u00f6glich. Da aber andererseits die Durchwahl bei ISDN weiterhin angeboten wird, mu\u00dfte letztendlich eine diesbez\u00fcgliche L\u00f6sung erarbeitet werden, um diesen Dienst Besitzern von konventionellen Anlagen mit Durchwahl zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Stichw\u00f6rter:POTS; Durchwahl, NGN<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>N\u00e4mlich: In \u00d6sterreich gab es das Leistungsmerkmal der Durchwahl \u00fcber den einfachen leitungsw\u00e4hler dem Prinzip nach bereits 1927(!) im alten Wiener Telefonsystem nach G.H. 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